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Karl Heinz Schmieding mit Inge Meysel. Foto: Karl Heinz Schmieding

KWS History: Stadtgeschichte – Theatererinnerungen Karl Heinz Schmieding (Gütersloh, 2015)

Von KWS, Karla-Wagner-Stiftung, KWS History, 21.172 Views

#KWS #History: #Stadtgeschichte – Theatererinnerungen Karl Heinz Schmieding (Gütersloh, 2015)

  • Karl Heinz #Schmieding, ehemaliger Bühnenvorstand und Bühnentechniker im #Theater #Gütersloh, erinnert sich an seine interessante Tätigkeit, zum Beispiel an Erlebnisse mit #Marika #Rökk und anderen bekannten Schauspielern.

#Gütersloh, Februar 2015

Theater in Gütersloh habe ich schon früh erlebt. Ob im #Katholischen #Vereinshaus oder bei #Wiltmann, in der #Paul #Thöne #Halle oder der »#Filmbühne«. Ich erlebte Alexander #Golling als #Othello, Paul #Henckels als #Schneider #Wibbel und Grete #Weiser in »Das Kuckucksei«. Anfang der 70er Jahre überredete mich Günter #Ochs, vom Hochbauamt zum Kulturamt zu wechseln, weil er eine eigene technische Mannschaft am »Theater der Stadt Gütersloh« aufbauen wollte. Nach einer Schulung am Musiktheater in Gelsenkirchen war ich eine Zeitlang Technischer Bühnenvorstand. Ich gab diesen Posten aber später auf, weil ich die Verantwortung für die vielen technischen Mängel nicht mehr übernehmen wollte. Es hieß damals: »Wir kriegen ja sowieso bald ein neues Theater.« Das war Mitte der 70er Jahre.

Ich arbeitete dann als Bühnentechniker und zeitweise auch im Beleuchtungsbereich, auch im Studio und im Podium für Kleinkunst, und das 20 Jahre lang. Als eine meiner ersten Aufführungen kann ich mich an Verdis »#Aida« erinnern, mit Felicia #Werthers von der »Met« in #New #York in der Titelrolle. Unmögliches wurde da möglich gemacht. Trotz Vorbühne war eine Vollheit auf der Bühne, der Hinterbühne, den Seitenbühnen. Der Zuschauerraum wurde zum Teil auch noch bespielt, und das Orchester musste sich behelfen. Kriminell, aber ein großer Erfolg.

Wir brachten auch »#Tannhäuser« auf die Bühne. In dieser Wagneroper und zum Beispiel auch in Mozarts »#Zauberflöte« (Detmold mit Gästen) wirkten auch Mitglieder heimischer Chöre als Zusatzchor mit. Chorleiter war damals Harke de Roos. Intendant des Landestheaters Detmold war Herbert vom Hau. Sohn Jörg war Kollege am Kulturamt Gütersloh (Vorgänger von Joachim Martensmeier). Wir wurden oft auch bespielt vom »Deutschen Theater in Göttingen« (Eberhard Müller Elmau …). Ein besonders großer »Schinken« war »Der Sturm« von Shakespeare. Auf der Seiten und Hinterbühne war kein Durchkommen, und die Betonpfeiler mitten auf der Bühne mussten – wie so oft – mit ins Bühnenbild einbezogen werden, was mit viel Arbeitsaufwand verbunden war.

Bespielt wurde Gütersloh auch vom Theater #Oberhausen (Oper, Operette, Ballett) und dem »Theater an der #Ruhr« (Schauspiel). Die »Städtischen Bühnen Osnabrück« gastierten mit Schauspiel und schweren Opern im Theater, unter anderem mit »#Tiefland«, »Madame #Butterfly« und »#Fidelio« (diese Oper aus Anlass des 150 jährigen Stadtjubiläums 1975). Für das Ballet de Wallonie war die Bühne natürlich auch immer zu klein, und die Tänzer konnten keine zu großen Sprünge wagen. Marika Rökk wollte in einer Operette eine viertel Stunde vor Beginn der Vorstellung – das Publikum saß schon im Saal – die Steppplatte 30 Zentimeter weiter nach vorne haben. Wir taten ihr den Gefallen. »Ihr seid aber lieb hier«, sagte sie.

In Zuckmayers »#Katharina #Knie« hatte das Stück gerade die Stelle erreicht, wo Carl #Raddatz in der Rolle des alten Knie seinen letzten Atemzug zu tun hat. In diesem Augenblick ist unvermittelt und leider sehr deutlich von der Bühne her ein Schnarchen zu vernehmen. Ich schlich hinter die Bühne und entdeckte den eingeschlafenen Busfahrer des auswärtigen Theaterensembles. Wir wurden sehr oft von Theaterensemblen bespielt, meistens mit bekannten Schauspielern. Im »Besuch der alten Dame« von Friedrich Dürrenmatt, eine Aufführung der »Bühne 64 Zürich« mit Maria Becker und Robert Freitag, spielte ich auch zwei Statistenrollen: Einen Sänftenträger und einen Leichenbestatter.

Das #Tourneetheater #Landgraf war sehr oft zu Gast in Gütersloh. Hier fanden auch die Endproben vieler Stücke mit bekannten Schauspielern und Regisseuren statt. So arbeitete ich zusammen mit #Inge #Meysel, angefangen in den 70ern mit »Schmetterlinge sind frei« und »Wenn der junge Wein blüht« (auch mit Helmut Käutner) bis zu »Teures Glück« Anfang der 90er Jahre. Geprobt wurde auch unter Dieter Wedel und mit Schauspielern wie Will Quadflieg (sehr genau), Walter Giller »Der eingebildete Kranke«, oder »Eines langen Tages – Reise in die Nacht« von Eugene O’Neill 1975 mit Käthe Gold, Walter Richter, Tonio von der Meden … wirklich bis in die Nacht hinein, und morgens gingen die Proben unter Ludwig Cremers Leitung weiter.

Im Theater Gütersloh sind auch einige Fernsehstücke entstanden. So drehte das #ZDF hier einen Film über #Wilhelm #Busch »Ein wunderlicher Kerl« mit Hans Dieter Schwarze, Inszenierung Hanns Dieter #Hüsch (1986). Die Arbeiten dauerten eine Woche. Der #Film lief dann eine Stunde. Katja #Ebstein sang am 30. und 31. Dezember 1989 im Theater Gütersloh nicht »Theater, Theater«, sondern wirkte als Hauptdarstellerin in dem Musical »Sweet Charity« mit. Inge Meysel war natürlich auch immer wieder zu Gast in Gütersloh, und wenn sie mal eine zeitlang nicht in Gütersloh sein konnte, schrieben wir uns Briefe und wir tauschten Erinnerungen aus. »Schön war die Zeit in Gütersloh«, schrieb sie in einem ihrer letzten Briefe, »leider kann ich nicht mehr auf Tournee gehen, sondern nur noch Fernsehen machen.«

Mozarts »Don #Giovanni« (Detmold): Ich hatte von der Portalbrücke aus den Verfolgerscheinwerfer auf die Festgesellschaft gerichtet. Als zu Beginn der Champagnerarie der Bariton die Flasche öffnete, flog der Korken nach oben direkt gegen meine Stirn. Mir wäre fast die Brille ins Dekollete der Donna Anna oder der Donna Elvira gefallen. »Treibt der Champagner das Blut dir im Kreise« – Peng! Das hätte ins Auge gehen können! September 1974: Maria Stuart, Trauerspiel von Friedrich Schiller. Eine Aufführung der Städtischen Bühnen Dortmund. Ich hatte gerade Maria Stuart mit ihrer mächtigen Schleppe die schmale Treppe der Seitenbühne hinaufgeleitet, da kommt ihre Widersacherin, die Königin Elisabeth, mit umgeklapptem Reifenrock in der Hand über die Bühne gelaufen und verlangt aufgeregt nach einer Haarnadel für ihre verrutschte Perücke. Da so schnell keine zu finden war, musste eine aufgebogene Büroklammer vom Inspizientenpult genügen, und dann ab auf die Bühne.

Beim Umbau während des Stückes »Ein Glas Wasser« mit Gerlinde #Locker löste sich ein eisernes Hängeteil und fiel auf meinen Kopf. Ich blutete sehr stark. Gerlinde Locker, die das mitbekommen hatte, sagte: »Ruhig, ganz ruhig«, und legte mir fachgerecht einen Druckverband an. Inge Meysel hätte während eines Gastspiels beinahe einmal ihren Auftritt verpasst. Ihre Garderobiere, die Hulda hieß, benötigte einen Stuhl, und wir tanzten im Bühnenvorraum »Ist denn kein Stuhl da für meine Hulda?« – »O Gott, mein Auftritt!« …