Von KWS, Karla-Wagner-Stiftung, KWS History, 15.256 Views
KWS History: Stadtgeschichte – Paul Thöne – Güterslohs Bürgermeister in der Nachkriegszeit
#Paul #Thöne gehört zu den prägenden Persönlichkeiten in der #Geschichte von #Gütersloh, die den schwierigen Übergang vom Ende des Zweiten Weltkriegs in den Wiederaufbau der Stadt maßgeblich mitgestaltet haben.
Paul Thöne wurde 1910 als Sohn eines Teilhabers der Firma Miele in Gütersloh geboren. Die Familie zog bereits 1911 nach Wien, kehrte aber im Oktober 1925 zurück in die ostwestfälische Stadt, wo Thöne seine weitere Jugend und berufliche Laufbahn verbrachte. Bei Miele stieg er zum Leiter der Import und Exportabteilung auf und war damit Teil des wirtschaftlichen Lebens der Stadt.
Bürgermeister in turbulenter Zeit
Nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen in Gütersloh am 1. April 1945 war Paul Thöne eine zentrale Figur in der kommunalen Übergangsverwaltung. In den ersten Nachkriegsmonaten übernahm er mehrmals das Amt des Bürgermeisters – zunächst vom 17. bis 21. April 1945 und erneut vom 9. Juni bis 28. Dezember 1945. Anschließend wurde er bis zu seinem Tod im Jahr 1949 als Stadtdirektor eingesetzt, eine Rolle ähnlich der eines heutigen Oberstadtdirektors.
In dieser Rolle musste Thöne politisch und administrativ Brücken bauen zwischen einer von #Krieg und #Besatzung gezeichneten Bevölkerung, der alliierten Militärregierung und den noch vorhandenen kommunalen Strukturen.
Wiederaufbau und soziale Fürsorge
Eines der zentralen Anliegen Thönes war der Wiederaufbau und die soziale Fürsorge in den schwierigen Nachkriegsjahren. Er gründete einen Hilfsausschuss für Kriegsgeschädigte, der mehr als 400 Bürger beim #Wiederaufbau ihrer #Wohnungen und #Häuser unterstützte. Dieses Programm zur kostenlosen Bereitstellung von Geschirr, Möbeln, Kleidung und anderen lebenswichtigen Gütern wurde bis zur Währungsreform 1948 als beispielloses Unterstützungswerk bezeichnet.
Thöne setzte zudem auf die Einbindung der Bevölkerung – etwa durch Mitwirkung an Aufräumaktionen oder der Integration heimatloser jugendlicher Ex Soldaten aus der Kriegsgefangenschaft.
#Kultur und städtisches Leben
Über den rein materiellen Wiederaufbau hinaus erkannte Thöne die Bedeutung von Kultur und Gemeinschaft für eine Stadt im Umbruch. Bereits im Jahr 1946 initiierte er den Bau eines Stadttheaters, indem er eine ehemalige Brauerei an der Friedrichstraße für Theater und Kinovorstellungen umbauen ließ. Dieses Gebäude wurde 1949 als Paul Thöne Halle eröffnet und diente der Stadt über Jahrzehnte als kultureller Treffpunkt.
Heute erinnert dieses Engagement nicht nur an Thönes kulturelles Mandat, sondern auch an die zentrale Rolle, die Theater und Kultur im kollektiven Wiederaufbau Prozess spielten.
Erbe und Erinnerung
Paul Thöne starb 1949, noch bevor die Bundesrepublik Deutschland gegründet wurde. Sein Beitrag zur Stadtgeschichte lebt jedoch weiter – nicht nur im historischen Bewusstsein, sondern auch in Orten wie dem Lapidarium auf dem alten #Stadtfriedhof, wo sein Grabstein zusammen mit weiteren ehemaligen Bürgermeistern zugänglich ist.
Paul Thöne bleibt in der städtischen Erinnerung Güterslohs als ein Bürgermeister, der nicht nur den Wiederaufbau der materiellen Stadt vorantrieb, sondern auch soziale Verantwortung und kulturelles Leben in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellte – in einer Zeit, die von Zerstörung, Unsicherheit und Neuanfang geprägt war.
