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KWS History: Stadtgeschichte – Josef Bauer (1898 bis 1982), Bürgermeister von Gütersloh in einer der schwierigsten Phasen der Stadtgeschichte

Von KWS, Karla-Wagner-Stiftung, KWS History, 14.396 Views

#KWS #History: #Stadtgeschichte – Josef Bauer (1898 bis 1982), Bürgermeister von Gütersloh in einer der schwierigsten Phasen der Stadtgeschichte

#Josef #Bauer, geboren am 30. Mai 1898 in #Langenfeld (Rheinland), gestorben am 2. Januar 1982 in #Gütersloh, war ein deutscher Verwaltungsbeamter und Politiker, der von 1935 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 als #Bürgermeister der ostwestfälischen Stadt Gütersloh amtierte. Seine Amtszeit fiel in eine der turbulentesten Perioden deutscher Geschichte – mit dem Aufstieg des #Nationalsozialismus, #Krieg und schließlich der #Niederlage 1945.

Frühe Jahre und Aufstieg in der #Verwaltung

Bauer wuchs nach einer kaufmännischen Ausbildung schnell in Verwaltungsfunktionen hinein und leistete während des Ersten Weltkriegs Militärdienst an der Westfront. Nach dem Krieg arbeitete er als Bürovorsteher und stieg in kommunale Verwaltungsaufgaben ein. Bereits früh war er politisch engagiert: Er gehörte dem »Stahlhelm«, einem der vielen nationalistischen, später in der NS Bewegung aufgegangenen Verbände, an und trat 1931 in die #NSDAP ein. Mit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland wurde er rasch in kommunale Machtpositionen eingebunden.

Bürgermeister von #Rheda und anschließend von Gütersloh

Zunächst wurde Bauer am 29. April 1933 zum Bürgermeister der Stadt Rheda gewählt. Bereits zwei Jahre später – am 28. Oktober 1935 – übernahm er kommissarisch, später definitv, das Amt des Bürgermeisters von Gütersloh. In dieser Position ersetzte er den seit 1908 amtierenden Gustav Thummes, was Teil der bundesweiten »Gleichschaltung« kommunaler Verwaltungen unter NS Vorzeichen war.

#Politik und Verwaltung in der NS Zeit

Als Bürgermeister war Bauer in eine Zeit politischer Gleichschaltung und ideologischer Kontrolle eingeschrieben. Die lokalen Verwaltungsstrukturen wurden auf Linie mit der NS Partei gebracht; politische Gegner und parteiunabhängige Kommunalpolitik wurden weitgehend ausgeschaltet. In dieser Zeit versiegten die Aktivitäten der SPD und KPD in der Stadt praktisch vollständig.

Unter seiner Leitung schloss die Stadt große gemeindliche Projekte ab – etwa den Kauf von #Mohns #Park 1937, der später zu einer bedeutenden öffentlichen Grünanlage wurde. Die Entwicklung der Stadt in den späten 1930er Jahren war von infrastrukturellen und kulturellen Maßnahmen geprägt, die auch unter den Bedingungen des NS Regimes vorangetrieben wurden.

Das Kriegsende und die Rettung Güterslohs

Die letzten Monate des Zweiten Weltkriegs stellten Bauer vor gewaltige Herausforderungen: #Kämpfe, #Luftangriffe und der drohende #Einmarsch alliierter Truppen setzten der Stadt zu. Im Frühjahr 1945 hatte Bauer – wie aus Zeitzeugenberichten hervorgeht – aktiv darauf hingewirkt, die Stadt nicht bis zur letzten #Patrone zu verteidigen, um weitere Zerstörung und Opfer zu vermeiden. In Zusammenarbeit mit Pastor Paul Gronemeyer wurde Gütersloh schließlich am 2. April 1945 kampflos an die heranrückenden US Truppen übergeben. Dieser Schritt gilt als entscheidend dafür, dass die Stadt nicht in einem zerstörerischen Häuserkampf unterging.

Absetzung und spätere Jahre

Am 7. April 1945 wurde Josef Bauer von der britischen Militärregierung als Bürgermeister abgesetzt und in der Folge bis September 1947 interniert. Nach seiner Entlassung zog er sich aus der kommunalen Politik zurück und arbeitete als Geschäftsführer und Prokurist in der Fleisch und Wurstwarenindustrie in Rheda, wo er bis 1969 tätig war. Nach dem Krieg trat Bauer der FDP bei und beteiligte sich lokal als sachkundiger Bürger im Verwaltungsrat der #Sparkasse Gütersloh.

Erbe und Bewertung

Die Bewertung von Bauers Wirken bleibt ambivalent: Einerseits war er ein Funktionsträger des NS Staates, der seine Machtstellung aus dieser Zeit bezog. Andererseits wird ihm zugeschrieben, in den letzten Kriegstagen Vernunft über fanatischen Widerstand gestellt zu haben und so die weitgehende Zerstörung Güterslohs zu vermeiden – ein Handeln, das von Zeitzeugen als rettend für die Stadt beschrieben wurde.

Josef Bauer starb 1982 in Gütersloh, in einer Stadt, deren Geschichte er in entscheidenden Jahren mitprägte.