Von KWS, Sokrates Jetzt, Glossar, 7.868 Views
False Balance (im Kontext #Mobbing)
»#False #Balance« ist die verzerrende Darstellung zweier Positionen als gleichwertig, obwohl eine strukturelle, faktische oder evidenzbasierte #Asymmetrie vorliegt. Im #Kontext von Mobbing führt dies dazu, dass Täterperspektive und Opferperspektive fälschlich als gleichberechtigte »Meinungen« erscheinen.
Übertragung auf Mobbing
In Mobbingkonstellationen wird häufig formuliert: »Es gibt 2 Sichtweisen.« Tatsächlich liegt jedoch vor: eine Seite berichtet Erfahrung (Opfer), eine Seite relativiert oder bestreitet (Täter). Die #Gleichsetzung dieser #Positionen erzeugt eine simulierte #Symmetrie, die die reale Machtschieflage und Handlungsschieflage verdeckt.
Typische Formulierungen (Indikatoren)
»Da gehören immer 2 dazu.«
»Wir kennen ja nicht alle Seiten.«
»Die #Wahrheit liegt wohl irgendwo in der #Mitte.«
Diese Aussagen wirken moderat, sind aber oft Ausdruck eines #Neutralitätsbias.
Funktion im sozialen System
»False Balance« erfüllt mehrere stabilisierende Funktionen: Konfliktvermeidung (keine klare Positionierung nötig), #Täterschutz durch #Relativierung, #Delegitimierung der #Opferperspektive, #Aufrechterhaltung bestehender #Netzwerke und #Hierarchien.
Verwandte Konzepte
Analytische Gegenformulierung
Statt »2 gleichwertige Meinungen« präziser »2 Behauptungen bei ungleicher Evidenz und struktureller Asymmetrie.«
