Von KWS, Karla-Wagner-Stiftung, KWS History, 9.911 Views
#KWS #History: #Stadtgeschichte #Gütersloh – die Volkshochschule Gütersloh und ihre Geschichte
#Gütersloh, 29. April 2026
Die #Volkshochschule #Gütersloh (#VHS) gehört zu den traditionsreichen Einrichtungen der Erwachsenenbildung in Gütersloh. Ihre Geschichte ist eng verknüpft mit der #Nutzungsgeschichte des Gebäudes an der Hohenzollernstraße 43 sowie mit den allgemeinen Entwicklungen des Bildungswesens seit dem späten 19. Jahrhundert.
Vorgeschichte: #Lehrerseminar (1890 bis 1925)
Die institutionelle Vorgeschichte des heutigen VHS Standortes reicht in die Zeit des preußischen Bildungswesens zurück. Seit 1890 bestand in Gütersloh ein evangelisches Lehrerseminar zur Ausbildung von Volksschullehrern. Nach einer anfänglichen Unterbringung in einem Privathaus wurde 1893 ein Neubau an der heutigen Hohenzollernstraße bezogen.
Das Seminar stellte eine zentrale Ausbildungsstätte für Lehrer in der Region dar. Insgesamt durchliefen rund 1.200 Schüler diese Einrichtung bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1925 infolge struktureller Reformen der Lehrerausbildung.
Frühphase der Volkshochschule (ab 1919)
Parallel zur Nutzung als Lehrerseminar entstand im Kontext der Reformbewegungen nach dem Ersten Weltkrieg die #Volkshochschulbewegung. Die Gütersloher Volkshochschule wurde im Oktober 1919 gegründet und gehörte damit zu den frühen Einrichtungen dieser Art in Deutschland.
Das 1. Programm umfasste 16 Kurse mit rund 320 Unterrichtsstunden. Inhaltlich reichte das Angebot von #Literatur und #Philosophie bis zu wirtschaftlichen und technischen Themen. Bereits zum Start verzeichnete die Einrichtung eine hohe Nachfrage mit mehreren hundert Teilnehmenden.
Die Kurse fanden zunächst dezentral in verschiedenen Schulgebäuden statt, darunter auch im ehemaligen Lehrerseminar an der #Hohenzollernstraße.
Umnutzung des Gebäudes (1925 bis in die 1980er Jahre)
Nach der #Schließung des Lehrerseminars wurde das Gebäude weiterhin schulisch genutzt. Es beherbergte nacheinander verschiedene Einrichtungen, darunter eine Mittelschule sowie weitere städtische Bildungsinstitutionen.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude zeitweise als #Lazarett genutzt; der reguläre Schulbetrieb kam weitgehend zum Erliegen. In der unmittelbaren Nachkriegszeit wurde der Unterricht unter provisorischen Bedingungen wieder aufgenommen.
In den folgenden Jahrzehnten diente das Gebäude als #Mehrzweck #Schulstandort mit wechselnden Nutzern. Dazu gehörten unter anderem Realschulen sowie ab 1985 die neu gegründete #Gesamtschule, die hier ihren Unterricht aufnahm.
#Etablierung als Volkshochschule (seit 1990)
Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts erhielt die Volkshochschule einen festen Standort im Gebäude an der Hohenzollernstraße. Nach der Unterschutzstellung als #Baudenkmal (1984) wurde das Haus ab 1990 dauerhaft der Volkshochschule zugewiesen.
Damit erfolgte eine funktionale Kontinuität: Das Gebäude blieb ein Ort der #Bildung, nun jedoch im Sinne der kommunalen #Erwachsenenbildung. Die Volkshochschule entwickelte sich in dieser Zeit zu einer zentralen Weiterbildungseinrichtung mit einem breiten Kursangebot in den Bereichen #Gesellschaft, #Kultur, #Gesundheit, #Sprachen und #Beruf.
2019 – ein Jahrhundert nach ihrer Gründung – bot die Einrichtung mehrere hundert Kurse pro Semester mit insgesamt mehr als 15.000 Unterrichtsstunden an und erreichte mehr als 15.000 Teilnehmer.
Bauliche Entwicklung und #Denkmalschutz
Das Gebäude selbst steht seit 1984 unter Denkmalschutz und wurde in mehreren Bauphasen saniert und modernisiert. Ziel war die Verbindung historischer Bausubstanz mit zeitgemäßen Anforderungen der Erwachsenenbildung. Neben der Restaurierung der Fassade und historischer Innenausstattungen erfolgten funktionale Anpassungen, etwa zur Verbesserung der Barrierefreiheit und zur technischen Modernisierung der Unterrichtsräume.
Einordnung
Die Geschichte der Volkshochschule Gütersloh ist exemplarisch für die Entwicklung kommunaler Weiterbildung in Deutschland seit dem frühen 20. Jahrhundert. Ihre institutionelle Kontinuität – trotz wechselnder Standorte und Nutzungen – sowie die dauerhafte Bindung an einen traditionsreichen Bildungsbau spiegeln die Bedeutung lebenslangen Lernens auf lokaler Ebene wider.
Das Gebäude an der Hohenzollernstraße 43 stellt dabei nicht nur einen historischen Ort dar, sondern fungiert bis heute als zentraler Träger dieser Bildungsaufgabe.
