Von KWS, Gütersloh, Gütersloh Blog, 7.333 Views
#NOW Kommentar: Worte sind nicht egal
#Gütersloh, 7. Mai 2026
»Marc Aurel streckt die #Waffen«. Das klingt nach #Feldzug, #Niederlage, #Kapitulation. Nach #Kriegssprache. Dabei geht es um ein #Modeunternehmen. Und ausgerechnet um eines, das den Namen eines Mannes trägt, dessen bekanntestes Erbe nicht militärisch, sondern #philosophisch ist.
Marcus Aurelius war zwar auch Heerführer und #Kaiser des Römischen Reiches. Vor allem aber gilt er bis heute als einer der wichtigsten Vertreter des #Stoizismus – einer #Philosophie der #Selbstbeherrschung, #Vernunft und inneren #Haltung. Seine »Selbstbetrachtungen« werden noch heute gelesen. Nicht wegen #Waffen. Sondern trotz der Welt der Waffen, in der er lebte.
Natürlich sind Schlagzeilen Zuspitzung. Das gehört zum Geschäft. Aber genau deshalb lohnt sich manchmal ein kurzer Blick auf die Sprache selbst. Warum wird aus einer #Insolvenz sofort ein #militärisches #Narrativ? Warum wird ein #Unternehmer zum #Kämpfer, der #Markt zum #Schlachtfeld und das #Scheitern zur #Kapitulation?
Vielleicht, weil wir uns an diese Bilder gewöhnt haben. #Wirtschaft muss heute offenbar immer »kämpfen«, Marken müssen sich »behaupten«, Unternehmen werden »abgestraft«, Konkurrenten »attackiert«. Selbst bei Mode.
Dabei wäre gerade bei #Marc #Aurel eine andere #Metapher naheliegender gewesen: #Haltung. #Ruhe. #Krise. #Wandel. Oder schlicht #Realität.
Denn #Insolvenzen sind keine Schlachten. Sie sind wirtschaftliche Prozesse. Oft tragisch, manchmal vermeidbar, manchmal nicht. Aber sie werden nicht verständlicher, wenn man sie mit Kriegsrhetorik auflädt.
Und vielleicht ist das die eigentliche Ironie dieser Überschrift: Ausgerechnet Marc Aurel hätte wahrscheinlich empfohlen, die #Waffenmetaphern einfach wegzulassen.
