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NOW Kommentar: Der gekaperte »Dritte Ort« – warum wir endlich über »Vierte Orte« sprechen sollten

Von KWS, Kunst und Kultur, Kommentare, 4.796 Views

#NOW #Kommentar: Der gekaperte »Dritte Ort« – warum wir endlich über »Vierte Orte« sprechen sollten

#Gütersloh, 18. Juli 2026

Es gibt Begriffe, die so treffend sind, dass man sie am liebsten für alles verwenden möchte. Genau das ist offenbar mit dem Begriff des »Dritten Ortes« geschehen. Heute gilt plötzlich nahezu jede #Bibliothek, jedes #Kulturzentrum und jeder #Makerspace als »Dritter Ort«. Das Problem: Das ist der Begriff ursprünglich gar nicht.

Der amerikanische Soziologe Ray Oldenburg prägte den Begriff »Third Place« für etwas ganz anderes. Der »Erste Ort« ist das #Zuhause. Der »Zweite Ort« die #Arbeit. Der »Dritte Ort« ist der informelle Treffpunkt des Alltags: das #Café, die #Kneipe, der #Wochenmarkt, der #Friseurladen, der #Dorfplatz. Orte ohne Eintrittskarte, ohne Programm und ohne institutionellen Auftrag. Orte, an denen Menschen einfach zusammenkommen.

Heute wird der Begriff zunehmend für Bibliotheken, Kulturhäuser oder Bürgerzentren verwendet. Diese Einrichtungen mögen zweifellos wichtige gesellschaftliche Funktionen erfüllen. Sie fördern #Bildung, #Kultur und #Begegnung. Nur: Sie sind etwas anderes.

Das eigentliche Problem ist nicht, dass Bibliotheken sich öffnen oder mehr sein wollen als Ausleihstationen für #Bücher. Im Gegenteil: Das ist vielfach eine positive Entwicklung. Problematisch ist vielmehr die sprachliche Vereinnahmung eines bereits etablierten Begriffs.

Denn wenn Kulturorte nun plötzlich »Dritte Orte« sind – was sind dann die Orte, die #Oldenburg tatsächlich beschrieben hat?

Die Antwort lautet derzeit erstaunlicherweise: ebenfalls »Dritte Orte«.

Damit bezeichnet derselbe Begriff 2 unterschiedliche Konzepte. Aus wissenschaftlicher Sicht ist das unerquicklich. Begriffe sollten #Klarheit schaffen – nicht #Unschärfe.

Dabei liegt eine einfache Lösung auf der Hand.

Warum sprechen wir nicht von »Vierten Orten«?

Der »Dritte Ort« bliebe das, was Oldenburg beschrieben hat: der informelle soziale Treffpunkt des Alltags.

Der »Vierte Ort« wäre die moderne Ergänzung: öffentlich finanzierte oder institutionell organisierte Orte, die bewusst Begegnung, Kultur, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe fördern. Bibliotheken, Kulturzentren, Bürgerhäuser, Volkshochschulen oder Makerspaces hätten damit einen eigenen, präzisen Begriff, statt sich unter einer bereits besetzten Bezeichnung einzusortieren.

Vielleicht hat Oldenburg diese Entwicklung schlicht nicht vorhersehen können. Als er sein Modell entwickelte, spielte die moderne Bibliothek als multifunktionaler Begegnungsraum kaum eine Rolle. Sein Konzept beschreibt die Alltagsgesellschaft der 1980er Jahre – nicht die kommunale Kulturpolitik des 21. Jahrhunderts.

Gerade deshalb wäre eine Erweiterung seines Modells kein Widerspruch, sondern eine konsequente Fortentwicklung.

Statt Begriffe umzudeuten, sollten wir neue schaffen, wenn sich die Wirklichkeit verändert.

Ein »#Kulturort« muss kein »Dritter Ort« sein, um gesellschaftlich wertvoll zu sein. Vielleicht ist sie schlicht der erste echte »Vierte Ort«.

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