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Aus dem Privilegium des Grafen Moritz Casimir vom 13. Dezember 1731. Bild: Archiv

KWS History: Stadtgeschichte Gütersloh – die erste Apotheke Güterslohs, wie 1731 die Arzneimittelversorgung begann

Von KWS, Karla-Wagner-Stiftung, KWS History, 5.477 Views

#KWS #History: #Stadtgeschichte #Gütersloh – die erste Apotheke Güterslohs, wie 1731 die Arzneimittelversorgung begann

#Gütersloh, 19. Juli 2026

Heute gehört eine #Apotheke selbstverständlich zum Stadtbild. Als jedoch im Jahr 1731 die erste Apotheke in Gütersloh eröffnet wurde, war das eine kleine Sensation. Denn Apotheken waren damals vor allem in Städten zu finden – nicht in Dörfern. Dass Gütersloh dennoch ein eigenes Apothekenprivileg erhielt, zeigt, welche Bedeutung der Ort bereits im frühen 18. Jahrhundert besaß.

Ein Dorf mit außergewöhnlicher Bedeutung

Die erste Apotheke wurde vom Apotheker Gerhard Diekhoff gegründet. Er war der Sohn des privilegierten Chirurgen Hermann Jacob Diekhoff und hatte neben der chirurgischen Ausbildung auch die Apothekerkunst erlernt. Seine Apotheke richtete er im sogenannten »Veerhoff Haus« ein, einem repräsentativen Gebäude, das zwischen 1647 und 1649 von der wohlhabenden Familie #Lepper errichtet worden war.

Dass Gütersloh überhaupt ein Apothekenprivileg erhielt, war ungewöhnlich. Der Ort war zwar offiziell noch ein Dorf, zählte jedoch bereits mehr Einwohner als die benachbarten Städte #Rheda, #Wiedenbrück und #Rietberg und galt als wirtschaftlich wohlhabend.

Das Privileg von 1731

Am 13. Dezember 1731 verlieh Graf Moritz Casimir zu Bentheim Tecklenburg Gerhard Diekhoff offiziell das Recht, eine Apotheke zu betreiben. Das umfangreiche Privileg regelte genau, welche Aufgaben und Pflichten der Apotheker hatte. Er musste #Arzneimittel sorgfältig herstellen, durfte #Rezepte nicht verändern und sollte nur bewährte #Heilmittel verwenden. #Gift durfte ausschließlich gegen ausreichende #Sicherheiten abgegeben werden.

Besonders bemerkenswert ist eine Sonderregelung: Da es in Gütersloh damals noch keinen #Arzt gab, durfte der Apotheker leichtere Erkrankungen selbst behandeln und in bestimmten Fällen Medikamente auch ohne ärztliches Rezept ausgeben. Bei schweren Krankheiten musste er jedoch den #Hofmedicus in #Bielefeld hinzuziehen. Dieses Privileg zeigt, dass Apotheker damals weit mehr Aufgaben übernahmen als heute.

Umzug in die #Münsterstraße

Nach mehreren Besitzerwechseln übernahm Johann Friedrich Groneweg die Apotheke. Da die ursprünglichen Räume zu klein geworden waren, ließ er 1785 in der Münsterstraße ein neues Apothekengebäude errichten. Dort blieb die Apotheke über viele Jahrzehnte bestehen. Groneweg betrieb neben der Apotheke auch einen #Weinhandel; seine #Weinkeller und ein regelmäßig tagender #Weinclub waren weit über Gütersloh hinaus bekannt.

Von 1778 bis 1907 blieb die Apotheke die einzige privilegierte Apotheke Güterslohs. Anders als zuvor wechselte sie nun über mehrere Generationen innerhalb derselben Familie den Besitzer.

Die Familie #Krönig

1855 kaufte Hermann Krönig die Apotheke. Mit ihm begann eine bis heute prägende Familiengeschichte. Es folgten Otto Krönig, Dr. Rudolf Krönig, Hans Hilbert Krönig und schließlich Dr. Ulrich Krönig, der die Apotheke 1984 gemeinsam mit seiner Ehefrau Dagmar übernahm.

Als sich die Gütersloher Innenstadt in den 1960er Jahren grundlegend veränderte, musste das historische Gebäude in der Münsterstraße den Neubauten weichen. Hans Krönig errichtete deshalb 1966 an der Berliner Straße 17 ein modernes Wohnhaus und Geschäftshaus und verlegte die Apotheke dorthin. Die »Krönig’sche Apotheke« gibt es bis heute in der #Fußgängerzone (Mittlere) Berliner Straße.

Vom #Arzneimischer zum #Gesundheitsberater

Auch der Beruf des Apothekers wandelte sich grundlegend. Während im 18. und 19. Jahrhundert viele Medikamente noch in aufwendiger Handarbeit aus Pflanzen, Mineralien und tierischen Stoffen hergestellt wurden, übernahm mit der Entwicklung der chemischen Industrie zunehmend die pharmazeutische Produktion diese Aufgabe.

Heute liegt der Schwerpunkt der Apotheke auf der sicheren Versorgung mit Arzneimitteln, der Prüfung von Rezepten sowie der Beratung der Patienten. Gerade bei der Selbstmedikation übernimmt der Apotheker eine wichtige Lotsenfunktion zwischen medizinischem Fachwissen und den Fragen des Alltags.

Ein Stück Gütersloher Geschichte

Mit der Gründung der ersten Apotheke im Jahr 1731 begann in Gütersloh eine bis heute ununterbrochene Tradition der Arzneimittelversorgung. Das Privileg des Grafen Moritz Casimir dokumentiert eindrucksvoll, wie eng medizinische Versorgung, Verwaltung und gesellschaftliche Entwicklung bereits vor fast 300 Jahren miteinander verbunden waren. Zugleich erzählt die Geschichte der Apotheke von der Entwicklung Güterslohs vom wohlhabenden Dorf zur modernen Stadt – und von einem Beruf, dessen Kern trotz aller Veränderungen derselbe geblieben ist: Menschen mit Fachwissen, Verantwortung und Vertrauen zu helfen.

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