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Foto: Christian Schröter, CC BY SA

KWS History: Stadtgeschichte Gütersloh – Adler, Atlanten und Kolonialwaren – das Haus Königstraße 2 am Berliner Platz (HVP)

Von KWS, Gütsel Commons, Gütersloh, 3.848 Views

#KWS #History: #Stadtgeschichte #Gütersloh#Adler, #Atlanten und #Kolonialwaren – das Haus #Königstraße 2 am Berliner Platz (HVP)

#Gütersloh, 29. Juli 2026

Wer heute über den Berliner Platz in Richtung Königstraße geht, nimmt das Eckgebäude meist nur als Standort des Juweliers »#Christ« wahr. Ältere Gütersloher kennen es noch als »Mocca Haus«. Dabei lohnt sich ein Blick nach oben: Das 1903 errichtete Gebäude gehört zu den schönsten historistischen Geschäftshäusern der Gütersloher #Innenstadt.

Ein repräsentativer Neubau

Das Grundstück gelangte 1880 in den Besitz des Kaufmanns Carl Müller, der dort 1889 einen #Feinkosthandel und #Kolonialwarenhandel eröffnete. Sein Sohn Clemens Müller ließ 1903 das heutige Gebäude errichten. Der #Architekt #Scherbaum entwarf einen repräsentativen Geschäftsbau mit aufwendigen #Gesimsen, #Stuckarbeiten und figürlichem #Fassadenschmuck – ein Ausdruck des wirtschaftlichen Selbstbewusstseins der Gründerzeit.

Im #Erdgeschoss befanden sich mehrere #Ladenlokale, darüber #Wohnungen. Verkauft wurden neben #Wein auch #Delikatessen und #Kolonialwaren wie #Tee und andere importierte Spezialitäten.

Der Adler über der Ecke

Das markanteste Detail befindet sich hoch oben an der Gebäudeecke: Ein großer Adler mit ausgebreiteten Flügeln thront auf einem reich verzierten Sockel.

Eine eindeutige Deutung ist heute nicht überliefert. In der Architektur um 1900 stand der Adler jedoch häufig für #Stärke und #Selbstbewusstsein, #Weitblick und #Erfolg, #Würde und #Repräsentation.

Da der Adler nicht mit einem Wappen verbunden ist, dürfte er eher als bürgerliches Repräsentationssymbol gedacht gewesen sein als als staatliches Hoheitszeichen.

Wer trägt das Gebäude?

Direkt unter dem Adler befinden sich 2 plastisch ausgearbeitete Figuren als Halbakte. Sie wirken, als würden sie den #Erker über ihren Schultern tragen.

Solche Figuren werden in der Architektur als #Atlanten (männlich) beziehungsweise #Karyatiden (weiblich) bezeichnet. Sie gehen auf antike Vorbilder zurück und wurden besonders im Barock und Historismus gern verwendet. Ihre Aufgabe ist weniger statisch als symbolisch: Sie verleihen einem Gebäude den Eindruck von #Kraft, #Eleganz und #Dauerhaftigkeit.

#Architektur als #Werbung

Um 1900 war eine reich verzierte Fassade weit mehr als bloßer Schmuck. Sie war zugleich Werbung. Wer ein exklusives Geschäft betrieb, zeigte dies nach außen. Ein prachtvoll gestaltetes Gebäude vermittelte #Seriosität, #Wohlstand und #Qualität – lange bevor #Schaufenster oder #Leuchtreklamen diese Aufgabe übernahmen.

Gerade ein Feinkosthandel und Kolonialwarenhandel, der Kaffee, Tee, Wein und Delikatessen verkaufte, profitierte von einer Architektur, die Weltoffenheit und gehobenen Geschmack ausstrahlte.

Ein Blick nach oben lohnt sich

Das Haus Königstraße 2 gehört zu den wenigen weitgehend erhaltenen #Gründerzeitbauten im Zentrum Güterslohs. Viele Passanten eilen täglich daran vorbei, ohne den Adler oder die beiden Figuren überhaupt wahrzunehmen. Dabei erzählen sie noch heute von einer Zeit, in der selbst ein Geschäftshaus als architektonisches #Kunstwerk verstanden wurde – und in der Fassaden nicht nur gebaut, sondern bewusst gestaltet wurden.

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