Von KWS, Karla-Wagner-Stiftung, KWS History, 3.535 Views
#KWS #History: #Stadtgeschichte #Gütersloh – das #Weberhaus – der letzte Zeuge der alten #Münsterstraße
#Gütersloh, 30. Juli 2026
Wer heute durch die Münsterstraße geht, nimmt das Weberhaus oft nur als hübsches #Fachwerkhaus zwischen den Geschäften wahr. Tatsächlich gehört das Gebäude zu den bedeutendsten historischen Bauwerken Güterslohs. Es wurde 1649, unmittelbar nach dem Ende des 30 jährigen Krieges, errichtet und zählt zusammen mit dem #Veerhoffhaus zu den ältesten erhaltenen weltlichen Gebäuden der Innenstadt.
Doch seine eigentliche Bedeutung liegt nicht nur in seinem Alter. Das Weberhaus erzählt die #Geschichte eines Güterslohs, das heute nahezu verschwunden ist.
Als die Münsterstraße noch aus #Fachwerk bestand
Wer historische Fotografien aus der Zeit um 1900 betrachtet, erkennt eine völlig andere Münsterstraße. Fachwerkhäuser reihten sich dicht aneinander. Zwischen ihnen befanden sich #Fleischereien, #Handwerksbetriebe, eine #Apotheke, #Arztpraxen und kleine #Geschäfte. Die Straße war das wirtschaftliche Herz des alten Dorfes Gütersloh.
Im Laufe der Nachkriegsjahrzehnte veränderte sich das #Stadtbild grundlegend. Viele der alten Häuser wurden abgerissen, Straßen verbreitert und moderne Geschäftsbauten errichtet. Vom einst geschlossenen #Fachwerkensemble blieb nur ein einziges Gebäude erhalten: das Weberhaus. Es ist heute der letzte erhaltene Vertreter der historischen Bebauung der Münsterstraße.
Warum heißt es Weberhaus?
Der Name erinnert an das #Handwerk, das Gütersloh über Jahrhunderte prägte. Lange bevor #Bertelsmann oder #Miele den Ort bekannt machten, lebten viele Familien von #Landwirtschaft und #Leinenherstellung. #Flachs wurde angebaut, versponnen und zu Leinen verarbeitet. Das Weben gehörte zum Alltag vieler #Ackerbürger.
Ob tatsächlich über die gesamte Geschichte ausschließlich Weber in diesem Haus lebten, lässt sich heute nicht mehr eindeutig nachweisen. Der Name steht vielmehr symbolisch für diese Epoche der Gütersloher Geschichte.
Ein Haus mit bewegter #Geschichte
Auch in jüngerer Zeit wurde das Gebäude immer wieder neu belebt. Seit 1952 befindet es sich im Besitz der Familie Winkler. Nach der Beseitigung der Kriegsschäden richtete Margret Winkler auf dem #Dachboden mehrere #Webstühle ein und fertigte dort bis in die 1960er Jahre unter anderem textile Arbeiten für #Kirchengemeinden. Später zog ein #Antiquitätenhandel ein.
In den folgenden Jahrzehnten beherbergte das Weberhaus verschiedene Geschäfte – darunter ein #Kräuterladen und #Gewürzladen und viele Jahre eine #Buchhandlung. Das historische Fachwerk blieb dabei stets das prägende Merkmal des Hauses.
Neue Ideen für einen alten Ort
Auch heute spielt das Weberhaus eine Rolle für die Innenstadt. Das über 375 Jahre alte Haus soll aktuell erneut mit Leben gefüllt werden – diesmal als Ort für #Kunst und #Begegnung.
Mehr als nur ein #Denkmal
Das Weberhaus ist weit mehr als ein schönes Fachwerkhaus. Es ist ein Fenster in eine Zeit, als Gütersloh noch ein kleines #Dorf war, in dem Handwerker, Weber und Ackerbürger das Leben bestimmten.
Vielleicht liegt gerade darin seine größte Bedeutung: Wer heute vor dem Gebäude steht, sieht nicht nur ein einzelnes Denkmal. Er blickt auf den letzten erhaltenen Rest einer Straße, die einst das Gesicht der gesamten Stadt prägte.
So erinnert das Weberhaus bis heute daran, wie Gütersloh über Jahrhunderte aussah – und daran, wie viel historische Bausubstanz im Laufe der #Stadtentwicklung verlorengegangen ist.
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