Von KWS, Karla-Wagner-Stiftung, KWS History, 3.762 Views
#KWS #History: #Stadtgeschichte #Gütersoh – »Alte Heuwaage« – 200 Jahre Gütersloher Geschichte Unter den Ulmen
#Gütersloh, 22. August 2026
Wer heute in der »Alten Heuwaage« Unter den Ulmen ein #Bier trinkt, sitzt in einem Stück Gütersloher Stadtgeschichte. Das denkmalgeschützte #Fachwerkhaus gehört zu den ältesten erhaltenen #Gaststätten der Stadt – und seine Geschichte reicht noch weiter zurück als die gastronomische Tradition. 2026 kann das Gebäude auf rund 200 Jahre Geschichte zurückblicken.
Am 25. Juli 1826 schloss der Wagenmacher #Moritz – in anderen Quellen #Merrit – #Strothotte mit dem katholischen Pastorat einen Erbpachtvertrag über das Grundstück Unter den Ulmen 4. Strothotte verpflichtete sich, dort ein Wohnhaus mit Werkstatt, Stall und Heuerlingshaus zu errichten. Bereits ein Jahr später konnte er dem Fürstlich Bentheim Tecklenburgischen #Gericht in #Rheda die Fertigstellung melden. Das heute erhaltene Gebäude wird als #Zweiständer #Fachwerkhaus beschrieben.
Strothotte arbeitete als #Wagenmacher – und übernahm gleichzeitig eine weitere Aufgabe: Er bediente die dort eingerichtete städtische #Heuwaage. An der damaligen #Chaussee nach #Wiedenbrück wurden Waren beziehungsweise #Fuhrwerke kontrolliert und gewogen. Die Stadt Gütersloh beschreibt den Standort deshalb auch als ehemalige #Zollstation. Aus dieser ursprünglichen Funktion entwickelte sich der Name, der das Haus bis heute unverwechselbar macht: die »Heuwaage«.
1848 kam der entscheidende Wandel. Strothotte verkaufte seinen Besitz an den Frachtfahrer Johann Heinrich Angenete und wanderte offenbar anschließend in die Vereinigten Staaten aus. #Angenete richtete in dem Gebäude eine #Gaststätte ein. Damit beginnt die bis heute andauernde gastronomische Geschichte der Alten Heuwaage.
Nach dem Tod Angenetes und seiner Frau waren die Kinder noch minderjährig. Das Anwesen wurde deshalb ab 1867 an den benachbarten Metzger August Meyer verpachtet. 1877 übernahm Fritz Angenete die Wirtschaft. Unter ihm entwickelte sich die Heuwaage zu einer bekannten Gütersloher Gaststätte, deren Ruf zeitweise weit über die Stadt hinausreichte.
Dabei war das Haus keineswegs ausschließlich #Kneipe. Um 1910 erfüllte es sogar eine bemerkenswert amtliche Funktion: Das Finanzamt Wiedenbrück unterhielt hier zeitweise eine Außenstelle. Zu den Steuerterminen kam ein #Beamter nach Gütersloh und kassierte die Abgaben der Kattenstrother Bauern – in #bar. Die Alte Heuwaage war damit für kurze Zeit Kneipe, #Treffpunkt und #Finanzbehörde unter einem Dach.
Die Lage erzählt ebenfalls #Stadtgeschichte. Unter den Ulmen führte hinaus aus dem alten Gütersloh in Richtung #Kattenstroth und Wiedenbrück. Ganz in der Nähe überspannt die historische #Dalkebrücke von 1880 den Fluss. Die erhaltene Einfeld Gewölbebrücke mit ihren schmiedeeisernen Handläufen gehört heute ebenfalls zu den historischen Zeugnissen dieses alten Verkehrswegs.
Am 25. Oktober 1984 wurde die Alte Heuwaage als Baudenkmal in die Denkmalliste eingetragen. Im Jahr 2000 folgte eine grundlegende #Sanierung in enger Abstimmung mit der #Denkmalpflege und dem #Landeskonservator. Dabei wurde das Fachwerkhaus wieder stärker seinem historischen Erscheinungsbild angenähert; unter anderem erhielt die Schwelle ihre ursprüngliche Position zurück.
Und trotzdem wurde aus dem historischen Gebäude kein Museum. Gerade darin liegt der besondere Reiz der Alten Heuwaage. Das Haus blieb das, was es seit 1848 ist: eine Kneipe. Generationen von Güterslohern haben hier getrunken, diskutiert, gefeiert, Musik gehört und vermutlich ebenso viele Geschichten erzählt, wie das Gebäude selbst erlebt hat.
Nach dem langjährigen Wirt Eckard Fischer Fürstenau übernahm Theodoros Sargiannidis, der auch das benachbarte griechische #Restaurant »‘Ellinadiko« führt, die »Alte Heuwaage«. Noch heute wird das Haus als eine der urigsten Kneipen Güterslohs beworben.
So ist die Alte Heuwaage weit mehr als ein hübsches Fachwerkhaus Unter den Ulmen. Ihre Geschichte verbindet #Handwerk und #Landwirtschaft, #Straßenverkehr und #Zollwesen, Auswanderung und #Gastronomie, #Finanzverwaltung und #Denkmalschutz. Aus einer Waagestation an der Chaussee wurde eine Wirtschaft – und aus der #Wirtschaft eine Gütersloher Institution.
Während sich die Stadt ringsherum in 2 Jahrhunderten nahezu vollständig verändert hat, steht die Alte Heuwaage noch immer an derselben Stelle. Und vielleicht ist genau das ihr größter historischer Wert: Sie zeigt Geschichte nicht hinter Glas. Man kann einfach hineingehen.
Foto: Archiv
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