Von KWS, Karla-Wagner-Stiftung, KWS History, 4.037 Views
#KWS #History: #Gütersloher #Sprichwörter auf #Plattdeutsch
#Gütersloh, 28. August 2026
»Dat is’n anner Keiern«, siar de Buer, öll he up’n Museköttel beit.
»Das ist ein anderes Korn«, sagte der Bauer, als er auf einen Mäuseköttel biss. Spöttisch: Da stimmt etwas nicht; das ist etwas ganz anderes als erwartet.
»Rieget j«, siar de Buer. He hadde owwer blouß äine Kouh in’n Stalle.
»Riecht ihr’s?«, sagte der Bauer. Er hatte aber bloß eine Kuh im Stall. Wohl eine scherzhafte Redensart über Großtuerei bzw. bescheidene Verhältnisse.
Äin blindet Houhn find’ auk moll’n Keiern.
Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.
Äin Pauhl drift dän annern.
Ein Pfahl treibt den anderen. Eins führt zum anderen.
Äine Handvull handeln, is berter öll armlangs arbeggen.
Eine Handvoll handeln ist besser als armlang arbeiten. Mit Handel lässt sich leichter etwas verdienen als mit schwerer körperlicher Arbeit.
Bange sin wi nich, dafor laup we.
Angst haben wir nicht – dafür laufen wir. Herrlich ironisch: Wir haben natürlich keine Angst, wir hauen nur ab.
Dän äinen sinne Uhl, is dän annern sinne Nachtigall.
Des einen #Eule ist des anderen #Nachtigall. Was dem einen nicht gefällt, gefällt dem anderen.
Dat Anböiten is dürer, öllt backen.
Das #Anheizen ist teurer als das #Backen.
Dat is Krut, dat bräckt ut.
Das ist Kraut, das bricht aus. Sinngemäß wohl: Das steckt schon drin und kommt irgendwann zum Vorschein.
Dat Piard, wat dän Hawern vodäint, dat krieg’n nich.
Das #Pferd, das den Hafer verdient, bekommt ihn nicht. Wer die Leistung erbringt, bekommt nicht unbedingt den Lohn.
De Danzmester mot ümmer’n Sprung fo sick behauln.
Der #Tanzmeister muss immer einen Sprung für sich behalten. Man sollte nie sein gesamtes Können preisgeben.
De dat Krüz häf, siargnet sick teerst.
Wer das Kreuz hat, segnet sich zuerst. Wer die Macht oder die Mittel besitzt, denkt zunächst an sich selbst.
De Dübel schitt ümmer bi’n gröttsten Haup.
Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen. Wer schon viel hat, bekommt noch mehr.
De kan up’n Ise griarsen.
Der kann auf dem Eis grasen. Vermutlich: Der kommt überall zurecht/versteht es, selbst unter unmöglichen Bedingungen etwas herauszuholen.
De lang häf, lött lang hangen, de no länger häf, lött schlürn.
Wer einen langen hat, lässt ihn lang hängen; wer einen noch längeren hat, lässt ihn schleifen. Wohl derb spöttisch über demonstratives Zur Schau Stellen dessen, was man besitzt.
De lüggt, dat man’t met’n Holsken föihlen kann.
Der lügt so, dass man es mit dem Holzschuh fühlen kann. Er lügt derart offensichtlich, dass es geradezu mit Händen zu greifen ist.
De Lust häf to’n Tusken, häf ock Lust to’n Bedräigen.
Wer Lust zum Tauschen hat, hat auch Lust zum Betrügen.
De makt’n Beddebürn vull Wore.
Der macht einen Bettbezug voll Worte. Er redet ungeheuer viel.
De met Stäine schmieten will, draff nich in’n Glashuse sitten.
Wer mit Steinen werfen will, darf nicht im Glashaus sitzen.
De schlüt von sick up annere.
Der schließt von sich auf andere.
De sick anbütt, dän sin Lauhn is nich graut.
Wer sich selbst anbietet, dessen Lohn ist nicht groß. Wer sich aufdrängt, macht sich billig.
De sick de Niarsen affschnitt, schändet sin Angesichte.
Wer sich den Hintern abschneidet, schändet sein Gesicht. Wer sich selbst schadet, um einem anderen zu schaden, steht am Ende selbst schlecht da.
De’n Rürn schmieten will, find’ ock’n Stäin.
Wer nach einem Rüden werfen will, findet auch einen Stein. Wer jemandem schaden will, findet schon einen Anlass oder ein Mittel.
Do häs du dän Dumen no nich uppe.
Da hast du den Daumen noch nicht drauf. Das hast du noch nicht im Griff.
Do kann de Schottsstäin nich von reikern.
Da kann der Schornstein nicht von rauchen. Davon kann man nicht leben, das reicht nicht zum Lebensunterhalt.
Dummhäit un Stolt, wasset up äinen Holt.
#Dummheit und #Stolz wachsen auf einem Holz. Dummheit und Hochmut treten gern gemeinsam auf.
Et is käin Pott so schäiwe, et passt’n Stölpen drup.
Es ist kein Topf so schief, dass nicht ein Deckel darauf passt. Für jeden findet sich der passende Partner.
Et söcht käiner äinen achtern Hagen, he häf sölber do achter serten.
Keiner sucht einen anderen hinter dem Zaun, wenn er nicht selbst schon dort gesessen hat. Wer anderen etwas unterstellt, kennt es häufig von sich selbst.
Fo Geld kanns dän Dübel danzen säihn.
Für Geld kannst du den Teufel tanzen sehen. Für Geld tun Menschen nahezu alles.
Gauh met Gott, dann bitt di käin Ding.
Geh mit Gott, dann beißt dich kein Ding. Mit Gottes Beistand brauchst du nichts zu fürchten.
Gesundhäit is berter öll Krankhäit.
#Gesundheit ist besser als #Krankheit. Eine absichtlich banale Binsenweisheit.
Gottes Wöarpel fallt wo se fallt, ümmer up de rechten Siete.
Gottes Würfel fallen, wie sie fallen, immer auf die richtige Seite. Was Gott bestimmt, ist letztlich richtig.
He is so gier, dat he bölket.
Er ist so gierig, dass er brüllt.
Jed’ Hüsken hält sin Krüsken.
Jedes Häuschen hat sein Kreuzchen. Jeder #Haushalt hat seine Sorgen und Lasten.
Kinner un Besoarpene segget de Wauhrhäit.
#Kinder und #Betrunkene sagen die Wahrheit.
Klinget et nich, dann klappert et doch.
Wenn es nicht klingt, dann klappert es doch. Irgendetwas wird schon dabei herauskommen – ganz ohne Wirkung bleibt es nicht.
Komm wi üarwern Rürn, dann komm wi üarwern Stärt.
Kommen wir über den Rüden, dann kommen wir auch über den Schwanz. Haben wir die große Schwierigkeit geschafft, schaffen wir den Rest auch.
Kumm Spitz, de Pastor stichelt.
Komm, Spitz, der Pastor stichelt. Eine scherzhafte Aufforderung zum Aufbruch beziehungsweise zur Gegenwehr.
In’n Düstern sind ölle Katten gries.
Im Dunkeln sind alle Katzen grau.
Pack schlött sick, Pack vodräggt sick.
Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Leute, die sich eben noch heftig streiten, können sich kurz darauf wieder bestens verstehen.
Pottschrepper kümmt nich in’n Hemmel.
Topfflicker kommen nicht in den Himmel. Wohl eine alte spöttische Berufsweisheit.
Recht häs du, schwiegen saß du.
Recht hast du – schweigen sollst du. Recht zu haben bedeutet noch lange nicht, dass man es sagen darf oder sollte.
Schliarge läibet.
Schläge lieben. Schläge machen lieb. Wohl verwandt mit dem alten »Was sich liebt, das neckt sich«; die genaue regionale Bedeutung wäre zu prüfen.
Segg nich ähr Häring, bis du’n an’n Stärte häs.
Sag nicht eher »Hering«, bis du ihn am Schwanz hast. Freu dich nicht zu früh – halte etwas erst für sicher, wenn du es wirklich hast.
So genau steckt käine Flauh, et gif ümmer’n Plack.
So genau sticht kein #Floh, es gibt immer einen Fleck. Nichts trifft völlig punktgenau; eine gewisse Abweichung gibt es immer.
Sterl di wat, dann häs du wat, un laut doch jäiden dat Siene.
Stiehl dir etwas, dann hast du etwas – und lass doch jedem das Seine. Offensichtlich paradox spöttisch formuliert; vermutlich eine Persiflage auf Eigennutz und Moral.
Vospreckt Berge un höllt nich moll Brinke.
Verspricht Berge und hält nicht einmal Hügel. Große Versprechungen, nichts dahinter.
Wahr’ di vo’n Blitz, dann döit di de Donner nicks.
Hüte dich vor dem Blitz, dann tut dir der Donner nichts. Achte auf die wirkliche Gefahr und nicht auf das Getöse danach.
Wat de Buer nich kennt, dat frett he nich.
Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.
Wenn de Kopp do von aff is, dann is dat Ächterkermsel auk nich mä vell wärt.
Wenn der Kopf davon ab ist, dann ist das Hinterteil auch nicht mehr viel wert. Ist das Wesentliche verloren, nützt der Rest auch nicht mehr viel.
Wenn de Mus satt is, schmeckt dat Merl bitter.
Wenn die Maus satt ist, schmeckt das Mehl bitter. Wer satt beziehungsweise versorgt ist, verschmäht plötzlich das, was ihm vorher willkommen war.
Wenn’t Brigg riargnet, sind use Schötteln ümmekatt.
Wenn es über die Brücke regnet, sind unsere Schüsseln umgekehrt. Vermutlich eine regionale Redensart über Vorsorge beziehungsweise darüber, dass etwas gerade dann nicht genutzt werden kann, wenn es gebraucht würde.
Wi armen Blagen, he wi Holt socht, dann bruk wi nu nich to fräisen.
Wir armen Kinder – hätten wir Holz gesucht, dann brauchten wir jetzt nicht zu frieren. Wer nicht rechtzeitig vorsorgt, muss später die Folgen tragen.
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