Von KWS, Karla-Wagner-Stiftung, KWS History, 3.947 Views
#KWS #History: ein #Gütersloher im #Elsass – #Musketier Wilhelm Korte und das Infanterieregiment Nr. 143
#Gütersloh, 28. August 2026
Wenn wir heute an die Schicksale Gütersloher #Soldaten im Ersten Weltkrieg denken, fallen uns meistens die großen westfälischen #Truppenkörper ein – wie das #Infanterieregiment »Prinz Friedrich der Niederlande« (2. Westfälisches) Nr. 15 aus #Minden oder das Infanterieregiment »Vogel von Falckenstein« (7. Westfälisches) Nr. 56. Doch die historischen Verlustlisten des Großen Krieges halten immer wieder faustdicke Überraschungen bereit, die zeigen, wie unvorhersehbar Einzelschicksale damals verliefen.
Ein besonders faszinierendes Puzzlestück Gütersloher Stadtgeschichte liefert der Eintrag des Musketiers Wilhelm Korte.
Der Fund in der #Verlustliste
Auf den ersten Blick wirkt die alte, maschinengeschriebene Tabelle der offiziellen deutschen Verlustlisten wie eine Aneinanderreihung nüchterner Daten. In der Zeile der 1. Kompanie des 4. Unter Elsässischen Infanterieregiments Nr. 143 taucht jedoch ein Name auf, der Heimatforschern sofort ins Auge springt.
Dienstgrad: Musketier
Name: #Korte, Wilhelm
Geburtsdatum: 24. Juni 1893
Heimatort: #Gütersloh
Ereignisdatum: 8. Oktober 1914
Ort des Ereignisses: #Schweighausen
Ein #Westfale im fernen #Straßburg
Wie kam ein junger Mann, der im Sommer 1893 in Gütersloh geboren wurde, in ein Regiment, das seine #Friedensgarnison im über 400 Kilometer entfernten #Straßburg und #Mutzig (#Elsass) hatte?
Das 1890 aufgestellte Regiment Nr. 143 sicherte als Teil des XV. Armee Korps das im Deutsch Französischen Krieg 1870/71 annektierte »Reichsland Elsass Lothringen«. Die kaiserliche #Armee mischte die Regimenter in den Grenzlanden bewusst: Um die #Integration zu fördern und lokale Unruhen zu unterdrücken, wurden massenhaft junge Männer aus dem Kernreich – wie dem preußischen #Westfalen – in den Südwesten geschickt, während elsässische Rekruten oft im Norden dienten. So fand sich auch Wilhelm Korte weit weg von der westfälischen Heimat im elsässischen Alltag wieder. Ein prominenter Kamerad in den Reihen des Regiments war übrigens kein Geringerer als der spätere #Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer, dessen Militärpass in den Regimentsarchiven überdauert hat.
Das Rätsel um »Schweighausen«
Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 rückte das Regiment 143 sofort aus den Straßburger Kasernen an die nahe Grenze aus. Der Eintrag in Kortes Zeile führt uns direkt in die ersten, blutigen Wochen des Bewegungskrieges an der Westfront.
Die Abkürzung »Schweighs.« steht nicht für ein Dorf in Westfalen, sondern für Schweighausen an der #Moder (Schweighouse sur Moder), eine Gemeinde nahe #Hagenau im #Unterelsass. Das Datum – der 8. Oktober 1914 – markiert den Tag, an dem das Schicksal für den jungen Gütersloher im Zuge der erbitterten #Grenzkämpfe und des beginnenden #Stellungskrieges im Elsass zuschlug. Ob Korte an diesem Tag verwundet wurde, in Gefangenschaft geriet oder fiel, bleibt ein offenes Kapitel, das die tiefe Tragik hinter den akribisch geführten Listen offenbart.
Brückenschlag in die Moderne: die Traditionspflege
Nach dem verlorenen Krieg konnte das Regiment 143 nicht mehr in das nun wieder französische Elsass zurückkehren und wurde 1919 in Hessen aufgelöst. Doch die Geschichte blieb lebendig. In den 1960er Jahren übernahm das in #Koblenz stationierte Panzerbataillon 343 (vormals 143) der Bundeswehr die offizielle Traditionspflege für die alten »143er«.
Bis heute hält ein engagierter Freundeskreis die Erinnerung aufrecht: Auf Plattformen wie infanterieregiment-143.de und pzbtl-143-343.de werden historische Soldbücher, Fotos und eben jene Verlustlisten ausgewertet, die uns heute den Blick auf das Schicksal von Wilhelm Korte freigeben. Eine jährliche Kranzniederlegung im badischen #Bühl sorgt dafür, dass die Toten beider Weltkriege nicht vergessen werden.
Aufruf
Besitzen Sie noch alte #Feldpostbriefe, #Fotos oder #Dokumente der Familie Korte aus der Zeit um 1914? Oder wissen Sie, wo Wilhelm Korte nach dem Krieg abgeblieben ist? Helfen Sie mit, dieses Gütersloher Schicksal im »Open Stadtmuseum« zu vervollständigen und hinterlassen Sie uns einen Kommentar oder einen Hinweis.
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