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KWS History: Stadtgeschichte Gütersloh vor Gütersloh – eine Reise in die Urgeschichte unserer Stadt

Von KWS, Karla-Wagner-Stiftung, KWS History, 4.671 Views

#KWS #History: #Stadtgeschichte #Gütersloh vor #Gütersloh – eine Reise in die Urgeschichte unserer Stadt

#Gütersloh, 3. September 2026

Wer nach der #Geschichte Güterslohs sucht, landet schnell bei bekannten Jahreszahlen: 1184 wird Gütersloh erstmals urkundlich erwähnt, 1825 erhält der Ort die #Stadtrechte, im 19. Jahrhundert beginnt der industrielle Aufstieg. Doch die Geschichte des Ortes, an dem heute Gütersloh liegt, beginnt nicht vor 200 oder 800 Jahren.

Sie beginnt Jahrmillionen früher.

Und auch Menschen lebten und bewegten sich hier bereits Jahrtausende, bevor jemand den Namen »Gütersloh« aufschrieb. Archäologische Funde aus #Pavenstädt, #Kattenstroth, #Isselhorst und anderen Teilen des heutigen Stadtgebietes erzählen von einer weitgehend vergessenen #Vorgeschichte: von eiszeitlichen Landschaften, steinzeitlichen Menschen, frühen Bauern und #Bestattungsplätzen der #Bronzezeit und #Eisenzeit.

Als Gütersloh noch gar nicht existieren konnte

Wer weit genug zurückgeht, findet weder #Dalke noch Berliner Platz, weder Teutoburger Wald noch #Ems in ihrer heutigen Gestalt. Die geologische Grundlage unserer Landschaft entstand über ungeheure Zeiträume.

Während der #Kreidezeit lagen große Teile der heutigen Region zeitweise unter Wasser beziehungsweise am Rand eines #Meeressystems. Vor rund 95 Millionen Jahren war das #Meer im Gebiet des heutigen Kreises Gütersloh teilweise 100 bis 200 Meter tief. Ablagerungen dieses Meeres wurden später zu #Kalkstein; ältere Sandablagerungen verfestigten sich zum #Osning #Sandstein des Teutoburger Waldes.

Erst sehr viel später formten die Eiszeiten die unmittelbare Gütersloher Landschaft.

Besonders die Saale Kaltzeit vor mehreren hunderttausend Jahren hinterließ mächtige Ablagerungen aus #Geschiebelehm und #Sand. #Gletscher transportierten Material heran und schoben teilweise langgestreckte Hügel zusammen, sogenannte Drumlins, die noch heute vor allem im Nordosten des Stadtgebietes nachweisbar sind.

Während der letzten großen #Kaltzeit, der Weichsel Kaltzeit, erreichte das #Inlandeis Gütersloh nicht mehr. Trotzdem herrschten hier zeitweise tundrenähnliche Bedingungen. #Wind, #Wasser und #Kälte formten eine Landschaft aus #Sandflächen, #Flussniederungen und #Dünen. Damit entstand allmählich jene Emssandebene, in der Gütersloh heute liegt.

Eine Landschaft aus Sand, Wasser und Dünen

Der größte Teil des heutigen Stadtgebietes ist von Sanden der Niederterrasse der Ems bedeckt. Nach der Eiszeit wurden diese Sande immer wieder umgelagert. Wind häufte #Binnendünen auf, Bäche schnitten sich in die #Landschaft ein, #Niederungen und #Moore entstanden. An #Dalke, #Wapel, #Ems und #Lutter bildeten sich damit Landschaftsräume, die später auch für Menschen interessant wurden.

Ein solcher Ort lag dort, wo Dalke und Wapel zusammentreffen. Das Gebiet östlich der Neuen Mühle war wegen seiner Dünen früher sogar unter einem heute fast vergessenen Namen bekannt: »Gütersloher Schweiz«. Genau hier sollte Jahrtausende später einer der bemerkenswertesten archäologischen Funde Güterslohs gemacht werden.

Menschen in der #Steinzeit

Wann der erste Mensch seinen Fuß auf das heutige Gütersloher Stadtgebiet setzte, wissen wir nicht. Das ist ein entscheidender Unterschied: Ein einzelnes #Steinwerkzeug beweist noch keine dauerhafte Siedlung. #Jäger und #Sammler konnten ein Gebiet durchstreifen, dort jagen, lagern oder Werkzeuge bearbeiten und anschließend weiterziehen. Gerade deshalb sind unscheinbare Funde interessant.

Vom Ebbesloher Brink bei #Isselhorst sind beispielsweise #Feuersteinabschläge bekannt. Sie könnten von Menschen der #Altsteinzeit stammen. Eine eindeutige Datierung ist jedoch nicht möglich. Sicher ist damit zumindest: Der Isselhorster Raum wurde bereits in der Steinzeit von Menschen aufgesucht.

Aus der #Jungsteinzeit stammt außerdem ein geschliffenes ovales #Steinbeil von 9,6 Zentimetern Länge, das auf einem #Acker in Isselhorst gefunden wurde.

Mit der Jungsteinzeit änderte sich die Lebensweise der Menschen grundlegend. Aus Jägern und Sammlern wurden zunehmend sesshafte #Bauern. #Ackerbau und #Viehzucht veränderten nicht nur ihre Gesellschaft, sondern erstmals auch dauerhaft die Landschaft.

Ob auf dem heutigen Gütersloher Stadtgebiet bereits jungsteinzeitliche Bauernhöfe bestanden, lässt sich nach dem derzeit bekannten Forschungsstand jedoch nicht sicher sagen.

Die Funde zeigen Anwesenheit. Eine Siedlung zeigen sie noch nicht.

Der Pavenstädter Riesenbecher

Der berühmteste vorgeschichtliche Fund Güterslohs stammt aus #Pavenstädt. 1951 untersuchten #Archäologen eine #Sandgrube im Bereich der damaligen »Gütersloher Schweiz« nahe der Mündung von Dalke und Wapel. Dabei wurden #Steingeräte und verzierte #Keramikscherben gefunden.

Die eigentliche Sensation wurde jedoch beinahe übersehen.

Nachdem offenbar jemand unerlaubt Sand aus der Grube entnommen hatte, bemerkte der Archäologe Anton Doms in der Wand den Abdruck eines großen #Gefäßes. Das #Gefäß selbst war durch die Sandentnahme bereits zerstört worden. Seine Scherben lagen daneben.

Doms sammelte sie ein und setzte das Gefäß wieder zusammen. Das Ergebnis war außergewöhnlich. Der sogenannte »Pavenstädter Riesenbecher« ist etwa 40 Zentimeter hoch, besitzt einen Mündungsdurchmesser von rund 32 Zentimetern und fasst ungefähr 12 Liter.

Er stammt aus der Übergangszeit zwischen Jungsteinzeit und früher #Bronzezeit und wird ungefähr in das 17. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung datiert. Als dieser Becher in Pavenstädt stand, sollten also noch rund 2.800 Jahre vergehen, bevor der Name Gütersloh erstmals in einer Urkunde auftauchte.

Wozu der Becher diente, ist nicht eindeutig geklärt. Vergleichbare Großgefäße konnten Vorratsgefäße sein, wurden aber auch in Bestattungszusammenhängen oder kultischen Zusammenhängen verwendet. Der Pavenstädter Fund bleibt deshalb ein Stück Gütersloher #Urgeschichte mit einem Fragezeichen.

Die vergessenen #Friedhöfe von #Kattenstroth

Noch erstaunlicher ist eine Geschichte aus Kattenstroth. Dort waren bereits vor über 100 Jahren 2 vorgeschichtliche #Urnenfriedhöfe entdeckt worden. Während des Ersten Weltkriegs wurden dort nach Angaben der »LWL Archäologie« bis zu 40 Urnen geborgen.

Danach geschah etwas Bemerkenswertes: Die genaue Lage der Fundstellen geriet in Vergessenheit. Erst durch die erneute Untersuchung alter #Fundunterlagen gelang es dem Gütersloher Archäologen Johannes Werner Glaw, die beiden Fundplätze wieder zu lokalisieren. Damit wissen wir: Dort, wo heute Kattenstroth liegt, bestatteten Menschen bereits in vorgeschichtlicher Zeit ihre Toten.

Hinter jeder Urne stand ein Mensch.

Und hinter einem Friedhof stand eine Gemeinschaft.

Solche Funde sind deshalb wesentlich mehr als einzelne archäologische Gegenstände. Sie zeigen, dass Menschen diese Landschaft nicht lediglich durchquerten, sondern über längere Zeit nutzten und offenbar als ihre Heimat betrachteten.

Eisenzeitliches Isselhorst

Auch für Isselhorst verdichten sich die Spuren. Dort sind mehrere vorgeschichtliche Bestattungsplätze bekannt. Mindestens drei davon werden der Eisenzeit zugerechnet. Der Archäologe Johannes Werner Glaw kam deshalb zu dem Schluss, dass spätestens in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends vor Christus im Raum Isselhorst dauerhaft Menschen einer bäuerlichen Gemeinschaft gelebt haben müssen.

Das ist bemerkenswert.

Denn damit lässt sich menschliche Besiedlung im heutigen Gütersloher Stadtgebiet viele Jahrhunderte vor die ersten mittelalterlichen Urkunden zurückverfolgen. Die Häuser dieser Menschen sind bislang nicht gefunden worden. Ihre Toten schon.

Die #Friedhöfe liefern damit indirekt den Beweis für Siedlungen, deren genaue Standorte noch im Boden verborgen sein könnten.

Wie sah dieses Gütersloh aus?

Natürlich gab es kein Gütersloh. Es gab keine Stadt und wahrscheinlich über lange Zeit nicht einmal Dörfer in unserem heutigen Sinne. Die Landschaft bestand aus #Wäldern, offenen #Sandflächen, #Feuchtgebieten, #Bachniederungen und Dünen.

Nach dem Ende der letzten Eiszeit breiteten sich zunächst #Kiefernwälder und #Birkenwälder aus. Später dominierten Eichenmischwälder. In den feuchten Niederungen entstanden #Erlenwälder, #Eschenwälder und #Bruchwälder. Dazwischen lagen die Lebensräume der Menschen.

Wasser dürfte dabei eine entscheidende Rolle gespielt haben. Dalke, Wapel, Lutter und Ems lieferten Wasser, Fisch und Wild und bildeten zugleich natürliche Orientierungslinien durch die Landschaft. Die trockenen Sandrücken und Dünen boten dagegen Plätze, auf denen man siedeln oder Tote bestatten konnte, ohne ständig mit Überschwemmungen rechnen zu müssen. So entstand lange vor Gütersloh eine #Kulturlandschaft.

Vieles liegt vermutlich noch unter unseren Füßen

Das vielleicht Spannendste an der Gütersloher Urgeschichte ist das, was wir nicht wissen. #Archäologie funktioniert anders als schriftliche Geschichtsforschung. Wo keine Ausgrabung stattfindet, kann ein vollständiger #Hof, ein #Gräberfeld oder ein jahrtausendealter Lagerplatz unentdeckt im Boden liegen.

Gerade Gütersloh ist dafür ein gutes Beispiel.

Einige bedeutende Funde entstanden nicht aufgrund langfristig geplanter Forschungsgrabungen, sondern durch Sandabbau, Bauarbeiten, Zufallsfunde oder die spätere Auswertung alter Sammlungen. Der Pavenstädter Riesenbecher wäre beinahe zerstört und vergessen worden. Die Kattenstrother Urnenfriedhöfe waren tatsächlich für Jahrzehnte aus dem Wissen verschwunden. Und in Isselhorst kennt man Bestattungsplätze, ohne bislang die dazugehörigen Siedlungen gefunden zu haben.

Die archäologische Landkarte Güterslohs ist deshalb keine abgeschlossene Karte. Sie besitzt große weiße Flächen.

Eine Geschichte, die viel früher beginnt

Gütersloh feierte 2025 seine 200 jährigen Stadtrechte. 1184 gilt als Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung. Beide Daten sind wichtig. Aber sie sind nicht der Anfang der Geschichte dieses Ortes.

Vor rund 3.700 Jahren hinterließen Menschen in Pavenstädt ein außergewöhnliches Keramikgefäß. In Kattenstroth bestatteten vorgeschichtliche Gemeinschaften ihre Toten auf Urnenfriedhöfen. In Isselhorst lassen sich menschliche Spuren bis in die Steinzeit zurückverfolgen; spätestens während der Eisenzeit lebten dort wahrscheinlich dauerhaft bäuerliche Gemeinschaften.

Und noch viel weiter zurück reicht die Geschichte der Landschaft selbst: zu Eiszeiten, Gletschern, Flugsanden und schließlich bis zu einem Meer, dessen Ablagerungen heute im Untergrund unserer Region und im Teutoburger Wald stecken.

Vielleicht müsste man die Gütersloher Geschichte deshalb anders erzählen. Nicht: 1184 – Gütersloh wird erstmals erwähnt. Sondern: Vor Millionen Jahren entstand die Landschaft. Vor Jahrtausenden kamen die Menschen. Und sehr viel später bekam der Ort einen Namen.

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