Von KWS, Kunst und Kultur, Kommentare, 9.657 Views
NOW Kommentar: Glatteis ist gefährlicher als Terror
#Gütersloh, 12. Januar 2026
#Berlin. #Terrorakt gegen das #Stromnetz. Teile der #Stadt im #Ausnahmezustand. Kommunikation tastend, widersprüchlich, beruhigend bis zur Realitätsverweigerung. Man »arbeitet daran«. Man »hat die Lage im Blick«. Man bittet um »Geduld«.
Und dann – fast zeitgleich – die andere Realität: #Glatteiswarnung.
#Push #Nachrichten auf allen #Kanälen. #Vorab. #Tage vorher. Großflächige #Leitartikel. #Handlungsempfehlungen. #Schulpflicht aufgehoben, organisatorisch sauber vorbereitet, rechtzeitig kommuniziert. Der Staat in #Hochform.
Man reibt sich die Augen.
Nicht, weil #Glatteis ungefährlich wäre. Sondern weil hier etwas sichtbar wird, das tiefer geht als #Wetter und #Infrastruktur.
Der Unterschied liegt nicht im #Risiko.
Er liegt in der #Erzählbarkeit.
Glatteis ist ein dankbares Problem. Es ist bekannt, zyklisch, statistisch, politisch unschuldig. Niemand ist schuld. Niemand haftet. Man kann handeln, ohne Verantwortung für Systemversagen übernehmen zu müssen. Kommunikation wird zur Bühne staatlicher Fürsorge.
Ein Terrorakt auf kritische Infrastruktur ist das Gegenteil. Er stellt Fragen, die niemand beantworten will: Wie verwundbar sind wir wirklich? Wie schlecht vorbereitet? Wie abhängig von Systemen, die wir nicht schützen können?
Hier hilft keine #Push #Nachricht. Hier hilft keine frühe #Schulmail. Hier hilft nur #Ehrlichkeit – und genau die ist politisch riskant. Also wird beschwichtigt. Fragmentiert. Entschärft. Nicht aus Bosheit, sondern aus institutioneller #Selbstverteidigung. Der moderne Staat reagiert nicht primär auf Gefahr. Er reagiert auf kommunikatives Risiko.
Was sich ohne Gesichtsverlust verwalten lässt, wird überkommuniziert. Was #Macht, #Kontrolle und #Zuständigkeit infrage stellt, wird rhetorisch verkleinert. So entsteht eine paradoxe #Sicherheitslage: Für hypothetisches Glatteis wird der Ausnahmezustand geprobt. Für reale Angriffe auf die Lebensadern einer Metropole gibt es Durchhalteparolen.
Das Ergebnis ist keine Sicherheit, sondern ein Gefühl von Ordnung – erkauft durch selektive Aufmerksamkeit.
Vielleicht ist das das eigentlich Beunruhigende: Nicht dass der Staat Glatteis ernstnimmt. Sondern dass er gelernt hat, welche Gefahren er sich leisten kann, ernstzunehmen. Alles andere bleibt – bis auf Weiteres – unter Spannung.
