Von KWS, Kunst und Kultur, Kommentare, 12.231 Views
#Gütersloh, 27. Januar 2026
Wenn heute vom »Ehrenamt« die Rede ist, ist fast nie das gemeint, was historisch darunter verstanden wurde. Gemeint ist nicht #Gründung, nicht #Gestaltung, nicht #Verantwortung – sondern #Zuarbeit. #Hilfsarbeit. Ein #Platz im #Getriebe.
#Vereine, #Verbände und #Initiativen klagen öffentlich über »#Ehrenamtsmangel«. Tatsächlich suchen sie etwas ganz anderes: keine #Mitgestalter, sondern #Verfügbarkeit.
Die vergessene Urszene des Ehrenamts
#Ehrenamt begann nicht als Dienst, sondern als Initiative. Menschen gründeten Vereine, Clubs, Chöre, Sportgemeinschaften, Zeitungen. Sie erfanden Strukturen, nicht Rollenprofile. Heute wäre genau das – die Gründung eines neuen Vereins, einer neuen Initiative, eines neuen Formats – der eigentliche Beweis lebendigen Ehrenamts.
Doch genau das ist nicht gefragt.
Vom #Gründer zum #Apparatschik
Viele der heutigen Vereinsstrukturen sind einst aus echter Initiative entstanden. Ihre Gründer waren keine Ehrenamtlichen im heutigen #Sinn, sondern #Autodidakten, #Querdenker, #Macher. Mit der Zeit wurden diese Strukturen formalisiert, abgesichert, subventioniert, verrechtlicht. Und ihre Gründer: Funktionsträger.
Was früher lebendig war, ist heute hermetisch. Die Organisation schützt sich selbst – nicht mehr ihre Idee.
Warum echte Mitgestaltung stört
Wahre Ehrenamtliche stellen Fragen: Warum machen wir das so? Wozu brauchen wir diese Struktur? Warum öffnen wir uns nicht? Genau deshalb sind sie unerwünscht. Sie gefährden Routinen, Zuständigkeiten, Förderlogiken.
Also sucht man lieber #Helfer, #Beisitzer, #Ordner, #Protokollanten. Menschen, die funktionieren, ohne zu verändern.
Die semantische Täuschung
»Wir suchen Ehrenamtliche« klingt nach #Offenheit. Gemeint ist aber: Wir suchen Leute für bestehende Rollen. Die eigentliche Suche – nach Menschen, die etwas Neues aufbauen, etwas Eigenes verantworten, etwas riskieren – findet nicht statt. Denn das wäre kein Ehrenamt. Das wäre Machtteilung.
Die große #Täuschung und #Selbsttäuschung
Das moderne Ehrenamt wird moralisch überhöht, während es strukturell entleert wird. Man feiert Engagement – und fürchtet Initiative. So entsteht die große Illusion: Ehrenamt gilt als #Mitwirkung, funktioniert aber als #Unterordnung.
Und solange das so bleibt, wird man weiter klagen über fehlendes Ehrenamt – während man es systematisch unmöglich macht.
