Home
Adressen
Chronik
Europe
Mariechenmarkt
Visit Gütersloh
Service
Bild: NOW KI

Der »Gish Loop«

Von KWS, Sokrates Jetzt, Journal, 4.374 Views

Der »Gish Loop«

#Gütersloh, 5. Juni 2026

Wer sich mit #Mobbing, #Manipulation oder sozialer #Ausgrenzung beschäftigt, stößt heute schnell auf den Begriff des »#Narzissmus«. In den Social Media scheint nahezu jede Form destruktiven Verhaltens auf »Den Narzissten« zurückgeführt zu werden. Das greift jedoch oft zu kurz.

Viele #Mobbingprozesse haben weniger mit Narzissmus als mit #Macht, #Gruppendynamik, #Statussicherung oder #sozialer #Kontrolle zu tun. Der Mechanismus ist häufig viel einfacher: Jemand wird zum Problem erklärt.

Von diesem Moment an beginnt eine eigentümliche Dynamik.

Der #Mobber behauptet, das Opfer sei #schwierig, #negativ, #unkooperativ, #unprofessionell oder irgendwie »#falsch«. Das #Opfer versucht daraufhin, das Gegenteil zu beweisen. Es erklärt, dokumentiert, argumentiert, sammelt Belege, führt Gespräche und widerlegt Vorwürfe.

Doch die Widerlegung beendet den Vorwurf nicht. Stattdessen verschiebt sich die Ziellinie. Was gestern noch als Beweis genügt hätte, genügt heute nicht mehr. Aus einem konkreten Vorwurf wird eine Frage der »Haltung«. Aus einer Haltung wird ein »Gesamteindruck«. Aus dem Gesamteindruck wird ein neues Gerücht. Aus dem Gerücht wird eine neue Behauptung.

In der Argumentationstheorie ist der Begriff »Moving the Goalposts« bekannt – das Verschieben der #Torpfosten. Sobald ein Kriterium erfüllt wurde, wird ein neues Kriterium eingeführt. Doch im Zusammenhang mit Mobbing und sozialer Ausgrenzung reicht dieser Begriff oft nicht aus. Denn die Torpfosten werden nicht nur verschoben. Der gesamte Prozess regeneriert sich selbst.

Hierfür wird der Begriff des »#Gish #Loop« vorgeschlagen.

Der klassische »Gish Gallopp« ist eine Debattentechnik, bei der eine große Zahl von Behauptungen in kurzer Zeit vorgebracht wird. Die Gegenseite kann die Menge der Vorwürfe kaum abarbeiten. Der Begriff geht auf den US amerikanischen #Kreationisten Duane Gish zurück. Er benutzte in Debatten eine rhetorische Taktik, bei der er den Gegner mit einer extremen Flut von unzusammenhängenden #Argumenten, #Halbwahrheiten und #Lügen überrollte. Da dies im atemberaubenden Tempo eines Galopps geschieht, prägte die #Anthropologin Eugenie Scott 1994 den Namen »Gish Galopp«.

Der »Gish Loop« funktioniert anders. Er ist nicht statisch, sondern dynamisch. #Vorwurf folgt auf #Widerlegung. Die Widerlegung führt nicht zur #Klärung, sondern erzeugt den nächsten Vorwurf. Jeder entkräftete Vorwurf wird durch einen neuen ersetzt oder in veränderter Form wieder eingeführt. Die Struktur lautet: Vorwurf – Widerlegung – #Umdeutung – neuer Vorwurf – Widerlegung – Umdeutung – neuer Vorwurf. Der entscheidende Unterschied zum »Gish Gallopp« besteht darin, dass der »Gish Gallopp« theoretisch lösbar ist. Selbst wenn jemand 100 falsche Behauptungen aufstellt, kann man diese theoretisch widerlegen. Die Aufgabe ist mühsam, aber endlich. Der »Gish Loop« dagegen besitzt kein natürliches Ende. Er gleicht einer Endlosschleife in einem Computerprogramm.

Die Widerlegung eines Vorwurfs ist nicht die Lösung des Problems. Sie ist lediglich der Auslöser für den nächsten Schleifendurchlauf. Deshalb berichten viele Mobbingopfer irgendwann von einer bemerkenswerten Erkenntnis: Es spielt keine Rolle, was sie tun – wenn sie sprechen, gelten sie als dominant. Wenn sie schweigen, gelten sie als verschlossen. Wenn sie sich verteidigen, gelten sie als aggressiv. Wenn sie sich nicht verteidigen, gilt dies als Schuldeingeständnis. Wenn sie Beweise vorlegen, gelten sie als rechthaberisch. Wenn sie keine Beweise vorlegen, gilt dies als Bestätigung der Vorwürfe.

Das eigentliche Ziel des »Gish Loops« besteht nicht darin, einen Vorwurf zu beweisen. Das Ziel besteht darin, die Rechtfertigungspflicht dauerhaft aufrechtzuerhalten. Die betroffene Person soll ihre Energie darauf verwenden, sich ständig zu erklären, zu verteidigen und zu rechtfertigen. Damit verschiebt sich die entscheidende Frage. Nicht mehr: »Wie kann ich beweisen, dass der Vorwurf falsch ist?« Sondern: »Welche Tatsache würde den Vorwurf endgültig beenden?« Wenn auf diese Frage keine Antwort existiert, befindet man sich möglicherweise nicht mehr in einer #Debatte, sondern in einem »Gish Loop«.

Der Vorwurf dient dann nicht der Wahrheitsfindung. Er dient der Aufrechterhaltung eines Feindbildes. Der »Gish Loop« ist deshalb weniger eine Argumentationstechnik als ein sozialer Mechanismus. Er produziert keine #Erkenntnis sondern #Dauerbeschäftigung – darin liegt seine Wirksamkeit.

Formalisierung des Gish Loops in »Ur« #BASIC

10 MAKE VORWURF

20 IF REFUTE VORWURF THEN GOTO 10

30 GOTO 10

RUN

#NOW #KWS #ROSA #OWL #GT #GGC #GOGREENCHALLENGE #VISITGÜTERSLOH #VISITGT #NIEWIEDERISTJETZT