Von KWS, Karla-Wagner-Stiftung, KWS History, 5.684 Views
#KWS #History: #Stadtgeschichte #Gütersloh – das Gütersloher »Nudelfabrik Duell« – als Westfalens #Pasta #Pioniere Geschichte schrieben
#Gütersloh, 21. Juli 2026
Wer heute an Nudeln denkt, dem kommen meist #Italien oder die großen Weltmarken in den Sinn. Doch im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert schlug das Herz der westfälischen Teigwarenindustrie mitten in Gütersloh. Es gab ein echtes, industrielles #Nudelfabrik #Duell zweier Pioniere, die sich östlich des Bahndamms über Jahrzehnte Konkurrenz machten.
Der Pionier: Niemöller & Brockmann (#NIBRO)
Die Geschichte beginnt 1875. Der Unternehmer Heinrich #Niemöller legte den Grundstein für eine industrielle Sensation: An der #Wilhelmstraße (der heutigen Carl Bertelsmann Straße 3) errichtete er die erste #Nudelfabrik in ganz #Westfalen.
Was zunächst mit der Herstellung von #Stärke und #Puddingpulver begann, entwickelte sich schnell zu einer hochmodernen Massenproduktion von #Teigwaren. In den 1930er Jahren wurden die Produkte unter dem Markennamen NIBRO weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt. Die monumentalen Backsteinbauten der Fabrik prägten das Stadtbild im Industriegebiet nachhaltig. Doch die Geschichte brachte harte Brüche: Im Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik durch Bomben schwer getroffen. Nach einem verheerenden Großbrand im Jahr 1948 musste die Produktion schließlich endgültig eingestellt werden. Das Gebäude überlebte jedoch und wurde später zu einem modernen Medienstandort umgebaut.
Der Herausforderer: C. H. Diestelkamp
Nur einen Steinwurf entfernt, an der #Gartenstraße, schiefen die Uhren ab 1897 anders. Dort errichtete der Fabrikant C. H. Diestelkamp die 2. große Teigwarenfabrik der Stadt und forderte den Platzhirschen NIBRO direkt heraus.
Diestelkamp setzte von Anfang an auf eine radikale, maschinengesteuerte Automatisierung. Startete der Betrieb anfangs noch mit einer für damalige Verhältnisse stattlichen Tagesproduktion von rund 500 Kilogramm (10 Zentnern) Nudeln, explodierten die Produktionszahlen durch den unerbittlichen Einsatz moderner Technik in den Folgejahren regelrecht. Die beiden Fabriken lieferten sich über Jahrzehnte ein logistisches und wirtschaftliches Wettrennen um die Vorherrschaft auf dem westfälischen Markt.
Was vom Duell blieb: der Strukturwandel
Heute wird in Gütersloh keine #Pasta mehr im großen Stil gepresst, doch die architektonischen Zeugen dieses industriellen Duells stehen bis heute für den tiefgreifenden Wandel der Stadt. Während das NIBRO Gelände den Weg in die Medienwelt fand, wurde der markante, denkmalgeschützte Klinkerbau der Fabrik Diestelkamp an der Gartenstraße aufwendig revitalisiert.
Besonders faszinierend: Der historische, weithin sichtbare Schriftzug »Nudelfabrik« prangt bis heute stolz an der Fassade. Wo einst tonnenweise Teig durch Maschinen lief, befinden sich heute moderne Wohnungen, eine Ballettschule und innovative Technologieunternehmen. Das »Nudelfabrik Duell« steht damit beispielhaft für den Pioniergeist und die immense #Wirtschaftskraft, die Gütersloh einst abseits der bekannten Großkonzerne aus eigener Kraft entwickelte.
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