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Wappen der Stadt Gütersloh

Von KWS, Karla-Wagner-Stiftung, KWS History4.763 Views

Wappen der Stadt Gütersloh

  • »Niemals zurück« – wie Gütersloh zu seinem Stadtwappen kam

#Gütersloh, 27. August 2025

Das #Gütersloher #Stadtwappen hätte ganz anders aussehen können. Ein fliegender #Falke, ein #Rad und der selbstbewusste #Wahlspruch »numquam retrorsum« – »niemals zurück« gehörten zu den ursprünglichen Vorstellungen der Stadt. Doch der Entwurf stieß bei den #preußischen #Behörden auf Bedenken. Das schließlich 1844 verliehene Wappen hatte mit den Gütersloher Vorstellungen nur noch wenig gemeinsam.

Die #Geschichte beginnt wenige Jahre nach der eigentlichen Stadtwerdung. Gütersloh war 1825 zur Stadt erhoben worden. Als die Gemeindeverordneten 1842 die Einführung der revidierten preußischen Städteordnung beschlossen, entstand gleichzeitig der Wunsch nach einem eigenen Stadtwappen.

Am 6. Mai 1843 legte der Magistrat seine Vorstellungen vor. Das Rad sollte unter anderem an die für Gütersloh bedeutende Garnspinnerei erinnern. Um sich vom Wappen der Nachbarstadt Wiedenbrück zu unterscheiden, sollte darüber ein Falke im Flug erscheinen. Hinzu kam der Wahlspruch »numquam retrorsum« als Zeichen des Fortschritts.

#Fortschritt – aber welcher?

Schon beim #Landrat sorgte der Entwurf offenbar für Irritationen. Besonders der Wahlspruch war politisch nicht ganz unverfänglich. Landrat von Trzebiatowski wollte sich vergewissern, dass damit nicht etwa der Grundsatz einer politischen »Bewegungspartei«, sondern lediglich der gesetzmäßige, friedliche und insbesondere industrielle Fortschritt gemeint sei.

Ratsherr Dr. Friedrich Wilhelm Stohlmann antwortete darauf 1843 bemerkenswert selbstbewusst. Die Idee des Wappens sei ausdrücklich der Fortschritt im Allgemeinen. Es sei logisch nicht einzusehen, weshalb industrieller Fortschritt politischen Fortschritt ausschließen solle.

Auch den Falken verteidigte #Stohlmann. Dieser stehe symbolisch für das schnelle und scharfe Wahrnehmen wichtiger Ereignisse der Zeit und könne keineswegs als »politischer Partheygänger« verdächtigt werden.

Damit war aus der Gestaltung eines Stadtwappens beinahe eine kleine politische Grundsatzdiskussion geworden.

#Berlin gestaltet das #Wappen um

Der Antrag wanderte über die Regierung in #Minden bis zum Innenministerium nach Berlin. Dort war man mit dem Gütersloher Entwurf ebenfalls nicht zufrieden. Weitere Entwürfe wurden eingeholt und das Wappen heraldisch überarbeitet.

Im Januar 1844 fiel schließlich die Entscheidung. Gütersloh erhielt ein Wappen mit grünem Feld, drei schräg verlaufenden silbernen Strömen und einem roten Rad mit sechs Speichen. Eine schwarz-silberne Einfassung verwies auf die preußischen Nationalfarben.

Vom ursprünglich gewünschten Wappen blieben damit im Wesentlichen das rote Rad und die grüne Farbe.

Der Falke verschwand.

Und auch »numquam retrorsum« – niemals zurück wurde nicht Bestandteil des Gütersloher Stadtwappens.

Seine endgültige Gestalt erhielt das Wappen nicht in Gütersloh, sondern nach Prüfung und Überarbeitung durch die preußischen Behörden in Berlin.

Interessant ist auch, dass die Bedeutung der einzelnen Elemente des verliehenen Wappens von offizieller Seite offenbar nie erklärt wurde. Viele heute verbreitete Deutungen entstanden erst später und lassen sich anhand der ursprünglichen Verleihungsunterlagen nicht belegen.

Quellen

Stadtarchiv Gütersloh, Bestand E Nummer 934, »Die Heimat in Wort und Bild« – Beilage zur »Westfälischen Zeitung«, »Gütersloher Zeitung«, Gütersloh, September 1936

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